4. Internationales Bühler

Bluegrass Festival 

29. April 2006

In Zusammenarbeit mit
Kleinkunst im Schütte-Keller e.V.


Valerie Smith & Liberty Pike (USA)

Chris Jones & The Night Drivers (USA)

Red Wine (I)

Night Run (D)

Moderation: Walter Fuchs

Das 4. Internationale Bühler Bluegrass Festival präsentiert auch 2006 vier internationale Spitzengruppen, die wiederum ein ganz breites Spektrum amerikanischer Folklore bieten.

Aus Bell Buckle/Tennessee kommt die Sängerin Valerie Smith mit ihrer Band „Liberty Pike“.

Valerie Smith im Schüttekeller

Valerie Smith, die ihr Deutschland-Debut im Jahre 2000 im Bühler Schüttekeller gab, kommt nun schon zum fünften Mal nach Bühl und präsentiert sich erstmalig beim inzwischen renommierten Bühler Festival. Im Gepäck hat sie ihr neuestes und damit 4. Album, das sie in Bühl natürlich vorstellen wird und das durch eine besondere musikalische Vielfalt überzeugt. Bluegrass, Swing und Acoustic Country wechseln sich ab und lassen in Verbindung mit Valeries temperamentvoller Bühnenshow ein Erlebnis der Extraklasse erwarten. Valerie Smith und ihre Band gehören inzwischen zur ersten Garnitur der amerikanischen Bluegrass Szene.

INFO


Aus Nashville/Tennessee und ebenfalls aus der ersten amerikanischen Bluegrass-Liga kommt Chris Jones
mit seiner Band „The Night Drivers“
.

Jones, seit über 10 Jahren in der Szene, ist der Tradition verbunden, besticht durch seinen ausdrucksstarken Bariton und steht mit seinem „low lonesome sound“ im absoluten Kontrast zu
Bill Monroes einstigem „high lonesome sound“.

Mit der Gruppe „Red Wine“ aus Genua kommt, nach „Bluegrass Stuff“ aus Milano, die 2003

beim 1. Internationalen Bühler Bluegrass Festival stürmisch gefeiert wurde, eine weitere italienische Top-Formation nach Bühl.

Die Band ist bekannt durch ihre solistischen Leistungen, einen fein abgestimmten Satzgesang und ihre Swing-Titel, die teilweise in italienisch gesungen werden, z.B. „Un Bacio A Mezzanotte“. Einst gehörte der berühmte Beppe Gambetta zu den Gründungsmitgliedern dieser Band.

INFO


Deutschland wird repräsentiert von „Night Run“, einer badisch-pfälzisch-bayerischen Spitzenband, die bereits im „Schüttekeller“ debütierte und 2004 beim Bühler Zwetschgenfest die 250 Besucher des Kulturzelts begeisterte.

im Schüttekeller

Ihr moderner Bluegrass-Sound, instrumentale Virtuosität gekoppelt mit einem mehrstimmigen Satzgesang, bringt einen interessanten Farbtupfer ins breite musikalische Spektrum des Festivals. Besonders beliebt sind die A-Cappella- Bluegrass-Gospel-Nummern der Gruppe, zu deren großen Vorbildern die legendären „Country Gentlemen“ gehören.

INFO


Die bewährten Rahmenprogramme des 3. Internationalen Bühler Bluegrass Festival werden auch beim 4. Festival beibehalten:

Valerie Smith gibt mit ihrer Band am Samstagvormittag um 10.30 Uhr auf einer Bühne in der Fußgängerzone am Johannesplatz eine Kostprobe ihres Könnens.

Auf vielseitigen Wunsch können Besucher des Festivals, die ihre Instrumente mitbringen, sich zwanglos im Foyer des Bürgerhaus Neuer Markt zu Jam-Sessions zusammenfinden.

Während des gesamten Festivals wird Sie unser Pächter von „Kohler’s Hotel-Speiselokal Engel“ Bühl Vimbuch im oberen Foyer bewirten.

Download-Flyer (Word)


Sie finden uns auch unter:
http://www.bluegrass-buehl.de/bluegrass06/bluegrass06.html

Wichtige Links !
5. Internationales Bühler Bluegrass-Festval
Samstag, 5. Mai 2007 - ab 14.00 Uhr mit ev. 5 Bands
6. Internationales Bühler Bluegrass-Festval
Samstag, 3. Mai 2008 - ab 14.00 Uhr
Zum Festivalverlauf 2006 - Bilder
4. Internationales Bühler Bluegrass-Festival
ein rauschender Erfolg
Strahlende Gesichter gab es am Samstag, 29. April 2006 im Bühler Bürgerhaus Neuer Markt, als sich gegen 19 Uhr abzeichnete, dass das Haus mit seinen 700 Plätzen praktisch ausverkauft war. Der zweite Durchlauf, bei dem noch einmal alle 4 teilnehmenden Bands auf die Bühne kamen und der in ein „Grand Finale“ mündete, fand vor voll besetzten Reihen statt, entsprechend knisternd war die Stimmung im Saal. Alles passte: Gute bis herausragende Darbietungen der Bands, stimmungsvolle Beleuchtung, ein lupenreiner Sound (dank der kompetenten Mischpultarbeit von Bernd Neuberger und Gerd Wienrank, sonst als Mitglieder der Heilbronner Countryband Dixie Wheels bekannt) und ein begeisterungsfähiges Publikum.

Unter der launigen und kundigen Moderation von Walter Fuchs, den manche seiner Fans wegen seiner Verdienste als Buchautor, Radiomacher und Multiplikator inoffiziell zum Country-Ritter geschlagen haben (indem sie ihn augenzwinkernd „Sir Walter“ nennen) liefen folgende Gruppen zur Hochform auf: Red Wine (aus dem italienischen Genua), Chris Jones & the Night Drivers, Valerie Smith & Liberty Pike (beide aus Tennessee) und die Lokalmatadoren Night Run aus Karlsruhe. Der herausragende Musiker des Tages war Jesse Brock von den Night Drivers an der Mandoline, die größte Überraschung war, wie gut die Band von Valerie Smith die Stimmbandprobleme ihrer Leadsängerin wegsteckte und kompensierte. Wer mehr über den Verlauf des Festivals lesen möchte, sei auf die Homepage des Festivals verwiesen: www.bluegrass-buehl.de (man muss dann ein bisschen nach dem Link zur Festival-Nachberichterstattung und zum Pressespiegel suchen).

Bei den Fans hat das Bühler BG-Festival den Durchbruch längst geschafft, bei der lokalen und regionalen Presse spätestens seit diesem Jahr ebenfalls. Und auch in der Bevölkerung des 30.000-Einwohner-Städtchens ist das Festival offenbar positiv verankert – von Jahr zu Jahr finden sich mehr Einheimische unter den Besuchern, und kaum einer kann sich der Faszination entziehen, die die Bluegrass-Musik ausstrahlen kann, wenn sie auf angemessenem Niveau und unter angemessenen Bedingungen zelebriert wird. Auffällig ist allerdings, dass das lokale „Bildungsbürgertum“, wie man es etwa bei Klassik- oder Jazzkonzerten antrifft, beim Bluegrass-Festival noch relativ dünn gesät ist. So glänzt etwa die Lehrerschaft der Bühler Musikschule seit Anbeginn des Festivals durch vollständige Abwesenheit. Hier könnte offensichtlich noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden. Anderswo ist es schon gelungen, die Musiklehrerzunft von den Vorzügen des Bluegrass zu überzeugen.

Auch in einer zweiten Hinsicht lässt die „Demographie“ des Bluegrass-Publikums einiges zu wünschen übrig. Es war in Bühl nicht zu übersehen, dass das Bluegrass-Publikum, gleich welche Maßstäbe man anlegt, verhältnismäßig alt ist.

Das Durchschnittsalter dürfte bei 50 liegen, Leute unter 30 sah man kaum. Da bei Leuten über 30, und erst recht bei Leuten über 50, die Unternehmungslust in der Regel eher ab- als zunimmt, muss man es dem Bühler Festival doppelt hoch anrechnen, dass es so viele „alte Säcke“ auf die Beine bringt. Aber wenn der Nachwuchs weitgehend ausbleibt, kann das auf die Dauer zum Problem werden. Man sollte von Veranstalterseite alles versuchen, um auch Teenager und Twens anzusprechen. Mag sein, dass bei diesen Altersgruppen Bluegrass als total „uncooles“ Musikgenre gilt, aber das muss ja nicht ewig so bleiben. Zumindest sollte man annehmen, dass es in jeder Generation einige gibt, die individualistische und ichstark genug sind, sich der peer pressure ihrer Altersgenossen zu entziehen und auch mal etwas ganz anderes cool zu finden.

Die deutsche Bluegrass-Szene ist klein, aber sie lebt wenigstens und ist in vieler Hinsicht auch gesund (von der Überalterung mal abgesehen). Es ist verlockend, sie mit der deutschen Country-Szene zu vergleichen, die potentiell viel größer ist, aber wenig Leben zeigt. Der letztes Jahr von der Stadt Northeim bei Göttingen, die man in etwa mit Bühl vergleichen kann, unternommene Versuch, aus dem Stand heraus ein bedeutendes mehrtägiges Country-Festival auf die Beine zu stellen, endete mit einer herben Enttäuschung, denn statt der angepeilten 1000 Zuschauer pro Tag (bei 8000 zur Verfügung stehenden Plätzen ohnehin schon ein sehr bescheidenes Ziel) verloren sich nach unabhängigen Schätzungen an allen drei Tagen zusammen höchstens 800 Leute auf dem Festivalgelände. Sind die Bluegrass-Fans loyaler als die Country-Fans? Schwer zu sagen. Zahlreiche schlecht besuchte Bluegrass-Konzerte in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass die Loyalität auch in der BG-Szene enge Grenzen hat. Aber eines haben die deutschen BG-Fans offenbar erkannt: dass das Engagement einer Stadt wie Bühl die einzigartige Chance bietet, eine qualitativ hochwertige Veranstaltung aufzubauen, die vielleicht in wenigen Jahren potent genug sein wird, um auch Künstler aus der Bluegrass-Weltklasse verpflichten zu können, die man in Europa sonst nie zu sehen bekäme.

Die deutsche Country-Szene hat keine Veranstaltung, die eine solche Perspektive bietet. Northeim könnte sich dazu entwickeln, aber nur wenn die deutsche Country-Szene die dort liegende Chance erkennen und die Veranstaltung en masse unterstützen würde. Geht Northeims zweiter Anlauf dieses Jahr ebenfalls in die Binsen, dann wird nicht nur Northeim in absehbarer Zukunft die Finger von Country lassen. Auch andere Veranstalter werden ihre Lehre daraus ziehen, nämlich dass es in Deutschland keine lebensfähige Country-Szene gibt. Wenn sich so etwas in Veranstalterkreisen erst einmal herumspricht, wird es leicht zur self-fulfilling prophecy, denn in diesem Geschäft ist es nun einmal so, dass sowohl der Erfolg als auch der Misserfolg die Tendenz haben, sich selbst zu verstärken: Erfolg gebiert noch mehr Erfolg, Misserfolg gebiert noch mehr Misserfolg.

Das Bühler Bluegrass-Festival schwimmt auf der Erfolgswelle; alle Beteiligten sind hoch motiviert, das diesjährige Festival im nächsten Jahr noch zu toppen. Der Termin steht schon fest: Samstag, der 5. Mai 2007.

khs


Riesiges 4. Internationales Bluegrass Festival in Bühl/Baden
Am Samstag, den 29. April 2006 fand das vierte Bühler Bluegrass Festival in Bühl/Baden statt. Vier Spitzenformationen des Bluegrass gaben sich auf Einladung von Walter Fuchs die Ehre, der die Veranstaltung wie immer auch als Moderator begleitete. Erfreulich ist die stete und uneinge-schränkte Unterstützung der Stadt Bühl, die dem Event als Veranstalter zu diesem großen Erfolg verhilft.

Wie im Vorjahr begann das Festival bereits um 10.30 Uhr auf dem Johannesplatz in der Fußgängerzone. Im Gegensatz zum Vorjahr gab es keinen Regen, dafür aber niedrige Temperaturen. Gemütliches Kaffeedrinken im Sitzen war da nicht angesagt, aber viele interessierte Zuhörer waren zur Open-Air-Bühne gekommen. Sie erlebten Valerie Smith & Liberty Pike aus Bell Buckle, Tennessee, die einen Vorgeschmack auf ihre Auftritte im Rahmen des eigentlichen Festivals vermittelten. Kurz vor der Abreise nach Europa fanden die Aufnahmen zur fünften CD dieser Formation ihr Ende, eine Gospel-CD. Gerade rechtzeitig zur Europatournee bekam Valerie erhebliche Probleme mit ihren Stimmbändern, die durch eine Operation am 23. Mai behoben werden müssen. Sie hat insoweit den besten Arzt in Nashville, der bereits Dolly Parton, Garth Brooks, Lee Ann Womack, Johnny Cash und anderen die gleiche Behandlung zukommen ließ. Die Stimmbandprobleme beeinträchtigten die Performance auf dem Johannesplatz ein wenig, die Auftritte im Bürgerhaus Neuer Markt für viele Zuschauer sicherlich gar nicht, die weitere Tournee aber ganz erheblich. Bei ihrem Open-Air-Auftritt auf Schloss Fachsenfeld bei Aalen am 01. Mai sang Valerie nur zwei Lieder selbst, am 03. Mai in Vöhringen-Illerberg im restlos gefüllten Alten Sportheim konnte sie ein paar Lieder mehr singen. Die Lücke schlossen jeweils ihre ausgezeichneten Mitstreiterinnen Becky Buller (Fiddle, Mandoline, Gitarre und Clawhammer-Banjo) und Casey Grimes (Kontrabass), die abwechselnd die Lieder von Valerie sangen. Valerie beschränkte sich meist auf die Rolle des Anfeuerns und des Spielens einer Rhythmusmandoline. Auch Jonathan Manesse (Gitarre) erwies sich als ausgezeichneter Sänger, der bereits an seiner ersten Solo-CD arbeitet. Jedenfalls machte die Begegnung mit Valerie auf dem Johannesplatz in Bühl viel Freude und das Publikum war happy.

Walter Fuchs eröffnete sodann um 14 Uhr die Veranstaltung im Bürgerhaus mit der deutschen Formation Night Run. Bernd Neuberger und Gerd Wienrank von der Country Band „Dixie Wheels“ hatten die Technik wieder gut im Griff und sorgten für einen differenzierten und natürlichen Klang. Night Run leben nicht nur von den meist lustigen Ansagen und der bewegten Bühnenshow aufgrund der Benutzung nur eines Mikrophons, sondern auch von einem gut gemischten Repertoire, das von „Juliane“ aus dem Fundus von Doyle Lawson & Quicksilver über mehrstimmigen Gospel-Satzgesang bis zu „Uncle Pen“ von Bill Monroe reicht.

Als zweite Band des Nachmittags kamen Red Wine aus Genua auf die Bühne, die mit viel Dynamik an die Sache rangingen und gleich „Blue In The Blue Ridge Tonight“ waren. Luca Bartolini hat inzwischen die Gitarre übernommen und sich als absolut virtuos erwiesen. Beim „Dixie Cannonball“ swingte es richtig schön, und überhaupt klingt alles sehr gut aufeinander abgestimmt, obwohl die Band nicht mehr so aktiv ist wie früher. Zu viel Zeit nehmen die Berufe der Hauptakteure in Anspruch, Martino Coppo ist Rechtsanwalt, Silvio Ferretti Kinderarzt. Neu am Bass ist Stefano Caballo aus Genua, der schon in den 70-er Jahren Martino Coppo seine erste Mandoline zukommen ließ. 1978 hatten Silvio und Beppe Gambetta die Band bereits gegründet, Martino kam 1981 hinzu. Ruhiger ging’s beim „Bartender’s Blues“ zu, George Jones hatte das Lied zum Hit gemacht. Sehr schön immer wieder Michael Martin Murphey’s „Carolina In The Pines“, das Doyle Lawson & Quicksilver schon vor über 20 Jahren in den Bluegrass geholt hatten. Gewidmet haben Red Wine das Lied Karl Heinz Siber und Annelie Baumann, die 16 Mal das Güglinger Bluegrass Festival veranstaltet hatten, zuletzt 2001.

Nach einer kleinen Pause betrat die erste von zwei Bands aus Tennessee die Bühne, Chris Jones & The Night Drivers, bezeichnenderweise gleich mit dem „Nashville Blues“. „The Way I Am“ kam von Merle Haggard, was belegt, wie breit ihr Repertoire zusammengesetzt ist. Jon Weisberger bediente den Bass, das Banjo ist bei Ned Luberecki in besten Händen, er war zuvor bei „Rarely Herd“ und Paul Adkins. Die Mandoline spielt Jesse Brock, der nach der Tournee nach Bulgarien geht, der Liebe wegen, Lilly of The West! Sehr schön ihr „Model Prisoner“ und das Chris-Jones-Solo „Thy Burdens Are Greater Than Mine“. Chris Jones & The Night Drivers präsentierten sich hier in absoluter Topform, für viele wohl „bester Chris Jones, den man je erlebt hat“. Das galt in jedem Fall auch für ihren Auftritt am 05. Mai im Pfarrzentrum in Kleinkötz, der freilich ein paar Zuhörer mehr verdient gehabt hätte.

Valerie Smith & Liberty Pike brachten Abwechslung auf die Bühler Bühne, nur zwei Männer, dafür drei Frauen. Leider fehlte das angekündigte Dobro, so dass es dieses Jahr keine Resonatorgitarre in Bühl gab. Andererseits ließ der Auftritt kaum Wünsche offen, insbesondere erwies sich Becky Buller als inzwischen vollwertige Frontfrau, nachdem sie früher schüchtern im Hintergrund meist nur ihre Fiddle bedient hatte. Mit sehr schöner Stimme sang sie, was auch für Casey Grimes gilt, die erst seit wenigen Monaten der Band angehört, aber schon bestens integriert ist. Schöner Swing bei „Buzzed“, Jonathan Manesse sang „Free Born Man“ von Jimmy Martin. Er könnte, ähnlich wie Chris Jones einmal eine echte Größe im Bluegrass werden, da er nicht nur ausgezeichnet singt, sondern auch hervorragend Gitarre spielt. Bis zur Carter Family reicht „You Are My Flower“ zurück.

Die große Pause bot Zeit für Kontaktpflege, eine Jam Session fand statt und man konnte Essen gehen, nicht alles gleichzeitig natürlich. Um 19 Uhr setzte die Veranstaltung bei inzwischen voll besetztem Haus fort. Night Run brachten von den Country Gentlemen „Matterhorn“. Das war fast schon Pflicht, da sie immer mit der einst progressiven Formation in Verbindung gebracht werden, was die musikalischen Ansprüche angeht. Auch bei traditionelleren Stücken überzeugten Night Run, George Baehr als Fiddler hat der Band den richtigen Antrieb gegeben und so gehören sie inzwischen zu den europäischen Spitzenformationen. Bei Red Wine ging’s im zweiten Set von Kate Wolf über die Louvin Brothers bis zu Mary Chapin Carpenter. Sehr schön auch ihre Version des George-Strait-Klassikers „Amarillo By Morning“. Diese Musik dürften sie gerne öfters nach Deutschland bringen, das Publikum zeigte sich jedenfalls zu Recht begeistert.

Höchste Klasse dann der zweite Auftritt von Chris Jones & The Night Drivers. Chris Jones verfügt über eine warme, sonore Stimme, die doch genügend Flexibilität aufweist, um vom „Uphill Climb“ zum Johnny-Horton-Klassiker „I’m Ready If You’re Willing“ zu gelangen. Sehr schön das bezaubernde „Alone With You“, und wenn das Date nicht kommt, obwohl er von Sonnenuntergang bis Mitternacht an der „Bridge To Portsmouth“ auf sie wartet, dann ist das schon hohe Schule der Singer-Songwriter-Kunst, die Chris ebenfalls beherrscht. Lustig das Duett von Lester Flatt und Willie Nelson in „Cabin On The Hill“, Chris Jones als Stimmenimitator. Chris spricht zudem sehr gut deutsch, ganz zum Leidwesen des polnisch-stämmigen Banjo-Spielers, der diese Sprache nicht versteht.

Krönender Abschluss war der zweite Set von Valerie Smith & Liberty Pike. Über ihre Heimat in Missouri berichtet „Where The Bluebells Grow“, wobei Valerie nicht wegen der Musik nach Tennesse gezogen ist, sondern weil ihr Mann dort als Geologe arbeitet. Ein echter Trainsong ist „Engineer“ aus ihrer wunderbaren aktuellen CD „That’s What Love Can Do“. Klasse hat auch Casey’s Version des Bill Monroe-Klassikers „Mule Skinner Blues“. Casey Grimes stammt, ebenso wie Valerie Smith, aus dem Bundesstaat Missouri. Das Banjo bediente übrigens Richard Cifersky aus der Slowakei, mit dem ich seit einigen Jahren über das Dobro Festival in Trnava vertraut bin. Er ist der Bluegrass-Guru seines Landes, allerdings derzeit ohne feste Band, da „Fragment“ seit der Heirat von Sängerin Jana nach Nashville nicht mehr aktiv ist. Im Vorjahr war er noch mit Fragment aufgetreten und es kann gut sein, dass er als festes Mitglied von Liberty Pike in die USA wechselt. Er hat sich als äußerst zuverlässiger Mann am Banjo erwiesen und sich bereits fest in die Band etabliert, nachdem Valerie Matt Leadbetter endgültig den Laufpass gegeben hat, dem bisherigen Dobro-Spieler. Da hat wohl die Chemie nicht mehr gestimmt, denn an mangelnder musikalischer Qualität kann der Rauswurf nicht festgemacht werden. Herrlich kam „In Those Mines“ rüber, das Becky Buller geschrieben hat, obwohl es natürlich ein trauriges Thema anspricht, nämlich den Tod, der in den Bergwerken immer wieder zuschlägt. Becky stammt aus der 4.000-Seelen-Gemeinde St. James, Minnesota und hat in letzter Zeit auch für andere Künstler tolle Lieder geschrieben, so für die kanadischen Abrams Brothers ihre zweite Single „Searching For Myself In Tennessee“. Gillian Welch’s “Red Clay Halo” klingt immer noch so frisch wie auf Valerie’s erster CD. Und ganz toll arrangiert haben sie “Bei Mir Bist Du Schön” von den Andrew Sisters. Toll auch einige Gospel-Stücke aus der kommenden CD, wie “Seeds”, “Wings To Fly” aus der Feder von Clair Lynch oder “Soulphone” mit vierstimmigem Satzgesang.

Nach einem grandiosen Finale aller Musiker, bei dem Valerie Smith ein lockeres Tänzchen wagte, ging das Festival kurz nach Mitternacht zu Ende, nicht ohne das Versprechen von Walter Fuchs, dass es 2007 eine Fortsetzung im Bürgerhaus geben wird.

Das fünfte Bühler Bluegrass Festival steigt am 05.05.2007 mit fünf (!) Bands. Hierauf darf man sich jetzt schon freuen. Hoffentlich wird die Kunde vom tollen Festival 2006 in die Fachwelt und restliche Welt verbreitet, Infos hierzu und zu den Veranstaltungen im Schütte-Keller Bühl gibt es jedenfalls von Rüdiger Schmitt jederzeit über die e-mail-Adresse: schuettekeller@web.de. Auch Bluegrass ist regelmäßig angesagt im schönen Gewölbekeller in Bühl, der seit 25. August 1999 Kleinkunst und Konzerte ganz groß herausbringt.

Friedrich Hog

Bluegrassfestival

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